Aufnahmevergleich "Orgelmusik"
27.07.2010
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, in unseren Vergleichstests gute und bekannte Aufnahmegeräte in verschiedenen Situationen zu testen und gegeneinander antreten zu lassen. Bereits durchgeführt haben wir einen großen Vergleichstest und einen "Atmo"-Test. Heute steht eine Orgelaufnahme und damit das Thema Musik und Raumakustik auf dem Programm. Wir haben den Orgelspieler Sebastian Weigert für einen Testlauf in der Marburger Universitätskirche gewinnen können. Unsere Aufnahmeergebnisse können Sie im Folgenden nachlesen und -hören.
1. Vorbereitung
3. Hörbeispiele
4. Auswertung
6. Fazit

Vorbereitung
Wir haben uns für eine Auswahl an populären Rekordern - Zoom H2 und H4n, Olympus LS-11 und DM-550, Tascam DR-2D und DR-100, sowie Sonys PCM-D50 und PCM-M10 - entschieden. Der H2 ist der älteste Vertreter in diesem Feld und nach wie vor einer der meist verkauften Rekorder in Deutschland. Olympus ist dagegen mit 2 jüngeren Vertretern dabei, die bereits in vorhergehenden Tests durch sehr gute Aufnahmequalität aufgefallen sind und den Titel "Hörsieger" und "Preis-Leistungssieger" verliehen bekommen haben. Tascam und Sony stehen mit ihren Profirekordern DR-100 und D-50 preislich am oberen Ende der von uns beachteten Preisskala bis 550 Euro.
Wir entschieden uns dafür, es bei diesen acht Geräten zu belassen. Denn zunächst ist es deutlich leichter und schneller zu bewerkstelligen, 8 statt 16 Geräte miteinander zu vergleichen. Nach unseren vorangegangenen Tests sind einige Geräte für Musikaufnahmen nicht geeignet (wie Yamaha C24 oder Olympus WS-450). Andere Rekorder wie der Marantz PMD661 hingegen spielen ihre Stärke erst mit angeschlossenen externen Mikrofonen aus, die wir in diesem Test nicht berücksichtigen - uns geht es um die eingebauten Mikrofone.
Auf ein Setting für Musik konnten wir uns schnell einigen: Orgel-Aufnahmen verfügen über ein breites Klangspektrum und stellen ein sehr herausforderndes Setting dar. Aufgrund der für eine Kirche typischen Raumakustik hat jede Aufnahme mit starkem Hall zu kämpfen. Zudem gibt es einen großen Dynamikumfang zwischen sehr leisen hohen und kräftigen tiefen Tönen. Also trafen wir uns mit dem begabten Orgelspieler Sebastian Weigert und durften, mit freundlicher Erlaubnis der Verwaltung, in der Universitätskirche Marburg Aufnahmen erstellen.
Alle Geräte wurden nebeneinander auf eine Kirchenbank gelegt, gepolstert durch ein schmales Schaumstoff-Kissen. Die Orgel selbst befand sich auf einer Empore ca. 30 Meter von den Geräten entfernt, was zu einem schönen, räumlichen Klang führen sollte.
Mit den Aufnahmen im Gepäck, machten wir uns auf den Weg zurück ins Büro. Leider wurde uns noch vor den Auswertungen der Aufnahmen bewusst, dass zwei der Geräte trotz gewissenhafter Vorkalibrierung und Voreinstellung nicht wie gewünscht funktioniert hatten. Die Aufnahmen des DM-550 waren deutlich übersteuert und nicht zu retten. Beim Tascam DR-100 hatte sich ebenfalls ein Fehler eingeschlichen. Die Aufnahme war in Mono, nicht in Stereo - trotzdem haben wir sie mit in die Bewertung genommen. Leider konnten wir die Aufnahme nicht wiederholen und daher nur 7 Rekorder für den Vergleich einbezogen.
Einstellungen der Geräte:
- Stereo (WAV: 44,1kHz / 16 Bit)
- Low-Cut, Limiter, etc. ausgestellt
- Mikrofonempfindlichkeit hoch
- Alle Geräte wurden am Vortag mit Hilfe eines gleichmäßigen Pfeiftons ausgepegelt
Hörbeispiele
Als Hörbeispiel und Bewertungsgrundlage haben wir eine Passage ausgesucht, die das breite Klangspektrum der Orgel gut wiederspiegelt.
Um unsere Testergebnisse und Hörbeispiele nachvollziehen zu können, sollten Sie in jedem Fall einen (guten) Kopfhörer nutzen. In keinem Fall reichen Ihre Notebook- oder PC-Boxen aus, Details oder Unterschiede deutlich zu machen.
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Auswertung
Alle Aufnahmen wurden geschnitten und für jede der Testpersonen eigens anonymisiert. Sämtliche (Datei-) Informationen, die Rückschlüsse auf das Aufnahmegerät zulassen, wurden entfernt.
Dadurch gaben wir uns selbst die Chance, unvoreingenommen an die Aufnahmen heran zu gehen. Jeder lauschte (mit einem Bose bzw. AKG Kopfhörer) aufmerksam den Aufnahmen und füllte danach einen Fragebogen aus. Notiert wurden dabei der erste Eindruck samt besonders auffälliger Merkmale. Zudem bewerteten wir Rauschen, Klirren, Klacken, Nebengeräusche und Klangcharakteristik wie "hell und klar" oder "dunkel und satt". Das Knistern einer Aufnahme durch Übersteuerung haben wir nicht in die Bewertung einfließen lassen.
Die Ergebnisse der Auswertung
Das Sony D-50 erhält durchgängig sehr gute Bewertungen. Auch das Tascam Dr-2d gehört bei allen zu den Favoriten. Ihnen gelingt es, den Frequenz- und Dynamikumfang detailliert und ausgewogen darzustellen. Einzige Ausnahme in der Teambewertung: Unser Praktikant mag es gerne wuchtiger und bevorzugt daher LS-11 und Zoom H2.
Der Tascam DR-100 liegt recht abgeschlagen, was allerdings weniger dem Gerät als unserer Nachlässigkeit geschuldet ist. Eine Monoaufnahme hat gegen einen breiten Stereo-Klang in diesem Fall keine Chance.
Aus dem Durchschnitt aller Bewertungen ergibt sich für unser Testteam folgende Reihenfolge:
Vorne: Sony D-50, Tascam DR-2d
Mitte: Zoom H4n, Sony M-10, Olympus LS-11
Hinten: Zoom H2 und Tascam DR-100 (Monoaufnahme)

Testfazit - Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl
"Interessanterweise haben wir absolut identisch bewertet (unabhängig voneinander). Jedes Gerät haben wir auf dem gleichen Platz verortet und waren uns auch in der Diskussion einig. Unsere Favoriten sind das Sony PCM D-50 und der Tascam DR-2d. Am Sony mögen wir den detaillierten und klaren Klang. Selbst bei den mehrstimmigen Passagen kann man sehr gut die hohen Töne differenzieren. Der Tascam DR-2d bringt ähnliche Differnziertheit und eine schöne Betonung der Bässe. Das Klangbild ist dadurch kraftvoll - wuchtig ohne dröhnend zu wirken. Wenn man den Preis mitbeachtet, so fällt unsere Empfehlung für diese Einsätze auf den Tascam DR-2d (und eine Hand voll Batterien)."
Testfazit - Stefan Bauer (unser Praktikant)
"Das Zoom H2 ist vielleicht nicht das Beste der getesteten Geräte – aber es kann sich angesichts seiner ausgewogenen Aufnahmen durchaus selbst auf seine alten Schultern klopfen. Mein Favorit? Wie erwartet das LS-11. Zwar war am Ende ein kurzes und sehr leises Knistern zu hören, aber die Aufnahme hat für mich einfach den schönsten – und auch rundesten – Gesamteindruck hinterlassen. So etwas hört man einfach gerne."
Das Test-Team
Zu einem objektiven Untersuchungssetting gehört auch die transparente Darstellung der eigenen Rolle und Position. Nur so können Sie als LeserInnen abschätzen, von welcher Warte aus wir unsere Bewertungen getroffen haben.
Unsere Kernfähigkeit ist die Aufnahme von Gesprächssituationen zwecks wissenschaftlicher Analyse der Gesprächsinhalte. Wir haben jahrelang Interviews oder O-Töne aufgenommen und diese später selbst transkribiert. Etwas, mit dem wir täglich konfrontiert sind, ist das Anhören von Aufnahmen via Kopfhörer. Unser Standpunkt ist folgender: Je besser die Aufnahme, d.h. je besser verständlich und realistischer die Darstellung ist, umso leichter fällt die nachträgliche Transkription und umso leichter kann man sich in die verschiedenen Stimmen einfinden/eindenken.
Wir haben ganz bewusst auf die Analyse mithilfe von Frequenzkurven oder Rauschabständen verzichtet. Die Entscheidung, ob eine Aufnahme gut oder schlecht ist, treffen wir mit geschlossenen Augen und dem Kopfhörer auf den Ohren.
Dr. Thorsten Dresing und Thorsten Pehl sind Erziehungswissenschaftler. David Georgi war lange Zeit im Journalismus (BBC London) tätig und erstellt Reportagen in den Bereichen Sport, Reisen und Natur. Stefan Bauer ist Student und Musiker und bei uns Praktikant.
Wir von audiotranskription.de verdienen unseren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Rekordern und Fußschaltern. Unser Ziel ist es, die Produkte so transparent wie möglich darzustellen und damit eine fundierte Information jenseits von Werbeversprechen und rein technischen Informationen zu bieten. Wenn Sie das auch so empfinden und unsere Arbeit unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihren Einkauf in unserem Onlineshop.




Ich vermisse hier eure Rangliste von allen getesteten Geräten.
Wer keine 500€ ausgeben will oder immer einen Vorrat an Batterien findet hier ausser den H2 keine Empfehlung.
Ist die Mittelklasse in diese Disziplin so schlecht?
Hallo Frank, die Reihenfolge haben wir oben ergänzt! Die teuren Geräte haben tatsächlich hier eine bessere Leistung abgegeben. Zudem ist das DM-550, weil übersteuert, nicht in der Wertung drin (da nicht wiederholbar). Ich würde dieses Testergebnis in Zusammenhang mit den anderen durchhören und daraus ein für dich passendes herausfiltern.
Aufschlussreicher dürfte dagegen der nächste große Vergleichstest werden, den wir machen wenn das Zoom H1 Mitte September da ist!
Interessant sind die unterschiedlich ausgeprägten Bässe der Kanidaten. Möglicherweise der unterschiedlichen Richtcharakteristik und dem unterschiedlichen Abstand der Mikrofone zur Unterlage geschuldet.
Wie wäre es, die Geräte zum testen auf kleine Fotostative zu stellen?
Gute Idee! Wobei die Geräte nebeneinander auf identischer Unterlage positioniert waren. Beim nächsten Test machen wir das aber mal mit Stativen.
Schade, dass Sie den Yamaha Pocketrak W24 aus dem Testfeld herausgenommen haben. Er hat wohl nicht ganz die Qualität des Sony D-50, wurde aber von STEREO bei Aufnahmen über die eingebauten Mikros kurz hinter dem Sony angesiedelt. Bei Orgelmusik habe ich mit dem Vorgänger CX gute Erfahrungen gesammelt.
Wenn ich richtig geschaut habe, zeigen der Downloadlink zum Zoom H2 und zum Zoom H4n auf die selbe Datei.
Wunderbar dieser Test! Für mich als Organist, der gerade vor der Entscheidung steht, welches Gerät er kaufen soll, optimal. Für mich ist vor allem wichtig, dass das Gerät den Bass naturgetreu wiedergibt, und zwar bis zum tiefen C (32 Hz beim 16' Register). Ich tendiere zum Sony PCM D-50, bin aber nicht ganz sicher, ob ich mich auf die Linearität im Bass verlassen kann. Ist wichtig, um vor Konzerten die Klangbalance abzuschätzen. Gibt's da noch einen Tipp?
@Erwin
Danke für den Hinweis wurde korrigiert. Der Fehler betraf nur den Downloadlink. Der Wiedergabe-Button hatte die korrekte Aufnahme abgespielt.
@Thilo M.
da wir rein "mit den Ohren" bewerten haben wir leider keine Daten zur Linearität des Basses.
Liebe "Tester",
in letzter Zeit höre ich immer wieder sehr positive Dinge von iriver-Recordern. Diese Marke war meines wissens auch eine der ersten, die mp3-Recorder hergestellt haben. Warum haben Sie Produkte dieser Marke nie in Ihren Tests berücksichtigt? Ihre Tests sind aber trotzdem sehr aufschlussreich! Vielen Dank und bravo!!!
Herzliche Grüße,
Timo R.
Macht ihr auch mal einen Vergleichstest mit einem Chor- oder Orchesterkonzert?
Gut fände ich in diesem Zusammenhang, dafür extra einen halligen Raum auszusuchen, um zu sehen, wie gut die Geräte das ausblenden können. Denn störender Hall ist alltägliche Praxis im Amateurmusikerbereich. Und Profis nehmen ja sowieso mit anderem Equipment auf.
Ja wird es. Im Februar haben wir einen Termin mit einem 60köpfigen Orchester in einem großen halligen Saal!
Insgesamt gefällt mir dieser umfangreiche Test gut, weil man einen schönen Überblick erhält!
Als Besitzer des LS 11 war ich natürlich interessiert, wie dieses hörmäßig gegen Eure (neuen) Testsieger (Sony d-50, Tascam DR-2d) abschneidet.
Nach Analyse der Testaufnahmen speziell dieser drei (Sony d-50, Tascam DR-2d und Olympus LS-11)musste ich dann aber leider feststellen, dass sie nicht gleich ausgepegelt waren:
a) bei der Orgel ist das Tascam fast 3 db höher ausgepegelt - LS-11 + Sony D50 ungefähr gleich
b) bei der Atmoaufnahme (Marienkirche)ist wiederum das Tascam vergleichsweise hoch ausgesteuert, das Sony D50 am geringsten, das LS-11 liegt in der Mitte
c) bei den Gitarrenakkorden sind dsas Tascam DR-2d und das Sony D50 wesentlich höher ausgepegelt als das LS-11 - hier scheint es außerdem fast so, als sei der Limiter eingeschaltet gewesen, da der Dynamikumfang verhältnismäßig kleiner ausfällt?
Dieses Ungleichgewicht bei der Auspegelung macht einen "objektiven" Vergleich sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Da hilft dann auch das empfohlene Abhören über Kopfhörer wenig. Es müsste erst ein (umständlicher digitaler) Pegelabgleich erfolgen.
Bitte achtet bei künftigen Tests auf eine exakte Pegelangleichung vor Bereitstellung der Testdateien.
Hallo Bernd,
danke für deine Hinweise und dein Lob!
Wir haben uns eingehender damit befasst. Hier unsere Ideen:
Leichte Unterschiede ergeben sich neben ungleicher Auspegelung auch durch die nicht identische Positionierung. Das ist mit 10-12 Geräten problematisch (z.B. wenn es um Geräuschquellen in der näheren Umgebung geht). Hier muss man mit Unterschieden leben, es sei denn man schafft eine standardisierbare Situation die aber in der Regel nicht Alltagssituationen umfasst. Ein Limiter war übrigens bei keiner Aufnahme eingeschaltet (siehe Checkliste oben).
Ein nachträglicher Pegelangleich ist nicht nur wegen des Aufwands abzulehnen, sondern auch nicht empfehlenswert. Er verändert das Original ggf. zu stark, erhöht in der Regel auch Nebengeräusche oder vermindert sie untypisch.
Wir nehmen deinen Hinweis als Anlaß beim nächsten Aufnahmetest noch etwas exakter zu sein und alle Geräte mit einem Standardton bei Standardentfernung auf -12db einzustellen. Das bietet sicher noch etwas mehr Raum für äquivalente Aufnahmen.
Viele Grüße
Thorsten
Hallo liebe Tester,
vielen Dank für die tollen Tests und Auswertungen! Anmerkungen zum Test hier: Die genannten Unterschiede sind mir auch aufgefallen. Insbesondre wundert mich sehr, dass beim LS-11 leider die Bässe recht schwach ausgepegelt sind, während es sonst bei den Tests immer recht kräftig im Baß daher kam nach meinem Eindruck. Das PCM D-50 empfand ich als baßstärker als bei den vorherigen Tests. Ist das durch die Aufstellung/die Besonderheiten im Kirchenraum bedingt? Außerdem hatte ich den Eindruck, dass beim PCM D-50 die Höhen abgeschwächt waren, so dass es der Orgel ein klein wenig an Brillianz fehlte und die Atmosphäre des Raumes geringfügig verloren ging. Auch Höhen im Klangbild vermitteln für mein Empfinden ein Gefühl von Räumlichkeit. Mögliche Abhilfe für später: Was in den Tests zukünftig nach meinem Eindruck ergänzt werden könnte ist ein Vergleich vom Zuhören life im Raum mit dem Höreindruck am Kopfhörer. Was nützt die beste Balance zwischen Höhen, Bässen, Dynamik im Gerätevergleich, wenn im schlimmsten Fall der Eindruck verloren geht, den man beim live hören hatte? Für mein Empfinden sollte ein Gerät, mit dem ich vor Ort aufnehme, den Live-Eindruck möglichst gut einfangen. Zur Erklärung: Ich selbst suche noch nach dem für mich passenden Gerät.
BG
J
tach,
was ist eigentlich aus der Choraufnahme geworden?
Hi Andy,
die findest du im Vergleichstest 2010!
Vg
Thorsten
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